ICH BIN GERADE AUF EINER KONFERENZ. ES IST ALLERDINGS EIN BISCHEN LANGWEILIG FÜR MICH, WEIL ALLES AUF RUSSISCH VORGETRAGEN WIRD. DER EINZIGSTE VORTRAG, DEN ICH VERSTEHEN KONNTE, WURDE VON EINEM AMERIKANER GEHALTET UND DERMASSEN ALLGEMEINGÜLTIG, DASS ICH IHN GENAU SO GUT HATTE HALLEN KÖNNEN. DAS ICH GERADE ALLES GROSS SCHREIBE, LIEGT AN MEINEM HANDY. DAMIT TIPPE ICH GERADE DIESEN EINTRAG.

Ich bin wieder da! In Russland. Es sind die weissen Nächte. Also ist es bei gutem Wetter möglich, im Freien ohne zusätzliches Licht Zeitung zu lesen. Und zwar auch noch um kurz vor 24:00. Entgegen anders lautender Gerüchte wird es aber irgend wann auch mal wieder richtig dunkel. Allerdings nicht besonders lange. Am Sonntag waren wir auf einer Schifffahrtsausstellung. Diese Ausstellung war eigentlich echt langweilig. Aber es gab eine Sache, die wirklich super war. Ich habe so etwas bis jetzt nur im Fernsehen gesehen und war doch etwas überrascht, dass ausgerechnet bei einer Ausstellung über Schiffe zu sehen. Eine Flug-Show. 30 Minuten lang jagten die War-Birts mit eingeschaltetem Nachbrenner wirklich nah am Publikum vorbei. 2-3 Mal sogar über uns. Wenn ich das richtig auf dem Schirm habe, eine absolut undenkbare Sache in Deutschland. Oder bilde ich mir das nur ein? Begeistert war ich weniger vor den gezeigten Figuren, sondern viel mehr von dem Sound, den so ein Nachbrenner erzeugen kann. Man kann den Unterschied wirklich hören. Mit Nachbrenner kommt noch so ein knatternder, knallender, explodierender Sound mit dazu. Schwer zu beschreiben. Auf jeden Fall war es sehens und hörenswert.
Bilder kommen dann in ein paar Tagen noch. Allerdings sollte man sich da nicht auf all zu viel freuen. In Wirklichkeit sind die Jets doch weiter weg, als es einem mit einem 3x Zoom lieb sein kann.
Hier in Deutschland kündigen sich Temperaturen von über 30 Grad an. Für mich ist das nichts. Zum Glück geht es heute mal wieder nach Russland. Um 3:15 klingelte der Wecker. Ich freue mich schon sehr. Noch ist es dunkel und ich werde zusammen mit der Nacht das Land verlassen. So, und jetzt muss ich mich dranhalten. Dieses mal will ich versuchen auf dem Weg zu bloggen. Also mit dem Handy hier schreiben. Mal sehen, ob´s gelingt.
So, ich komme gerade von der Aktion gegen ProKöln zurück und habe etwas zu erzählen. Der Plan aller ProKöln Gegner war es, sich unter die ProKöln Anhänger zu mischen und dann auf der Veranstaltung alles zu tun, damit diese scheitert. Offiziell dürfen Personen, die zu dieser Versammlung wollen, nicht aufgehalten werden, auch wenn sie andere Ansichten haben als die Initiatoren. Aber die Polizei hat sich nicht an geltendes Recht gehalten. Ich war an einer Absperrung am Deutzer Bahnhof Gleis 9-10. Dort gab es eine Personenkontrolle. Leute, die offenkundig anti-ProKöln waren wurden sofort abgewiesen. Ich hatte einen ProKöln Handzettel bei mir, den ich aus meinem Briefkasten fischen musste. Ich zeigte diesen Stück Volksverdummung vor und wurde ohne jede weitere Kontrolle einfach durchgelassen! Ich hab nur gesagt: “Ich will da hin” und hab das ProKöln Blatt rausgeholt. Zack: Access granted!! Super Leistung liebe Polizei. Das ist Gesetzestreue wie ich sie mir wünsche. Ein paar Meter weiter wieder eine Kontrolle. Genau das gleiche Spiel. In der Zwischenzeit konnte ich ein Gespräch zwischen zwei Polizisten hören: “Und dann machen wir das ganze Gleis gleich auch vorne zu. Nur Rechte durchlassen.” Ganz kühl uns locken. Das war die eine Krasse Nummer. Dann sah ich mich in einem von drei Seiten eingekesselten Pulk offenkundig Linker wieder. Der Platz der Kundgebung war nur noch einen Steinwurf entfernt. Aber die Polizei hielt die Leute Fest. Wie gesagt, von drei Seiten. Man war nicht eingekesselt. Aber was dann als Megafon-Durchsage zu hören war, war mindestens so politisch korrekt wie die Kontrolle vorher: “Liebe Menschen im Bahnhof: Sie sind eine Versammlung und somit entstehen für sie Rechte und Pflichten laut Paragraf blablabla… Sie sind eine Versammlung und die ist nicht genehmigt. Also fordern wir sie auf, die Versammlung aufzulösen.” Selbstverständlich war dies nur möglich, in dem man einfach wieder weg ging, entgegen der Richtung in die ich eigentlich wollte. Das ist auch sehr fraglich: Die Polizei sperrt Bürgern den Weg solange ab, bis sich eine gewisse Menge Leute angesammelt hat und spricht dann von einer Versammlung. Mich persönlich erinnert das schwer an den präventiven Erstschlag. Danke lieber Staat, dass du die Hüter der Ordnung so geimpft hast. Danke liebe Verantwortlichen. Ich bin ja so stolz ein Deutscher zu sein.

Bericht von WDR.de
Thursday, December 18, 2008
Die Tage vergehen und es gibt nichts wichtiges zu erzählen. Der Alltag hat Einzug gehalten. In der Woche gehe ich am Vormittag in die Uni und am Nachmittag mache ich Hausaufgaben und öfters helfe ich in Shenjas Uni. Das hat mir eine “Co-Autorenschaft” bei einem wissenschaftlichen Vortrag gebracht. In Deutschland bleiben die Türen der Hochschulen für ich geschlossen und hier werde ich Co-Autor. Auch nicht schlecht. Als irgendwelche “wichtigen Leute” durch das Labor geführt worden sind, was ich auch schon mal “Ein Student aus Deutschland”. Jetzt warte ich nur noch auf mein Stipendium… Zu den Arbeiten im Labor werde ich in der nächsten Woche mehr Zeit haben. Morgen wird nämlich mein vorerst letzter Tag in “meiner Uni” sein. Nächste Woche könnte ich zwar noch am Montag zum Unterricht gehen, aber die Lehrerin, die wir von Montag bis Mittwoch immer haben gefällt mir nicht. Am Mittwoch ist sowieso Weihnachten. Auch wenn das hier kein Feiertag ist und man angeblich nicht viel davon merkt; irgendwie will ich am 24. nicht in die Uni. Aber eigentlich muss ich mich ja nicht rechtfertigen; also lass ich es. Mal sehen, ob ich im Januar noch mal für 1 oder 2 Wochen Unterricht nehme oder nicht. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ich zu faul sein werde. im Januar soll ein kleiner Film entstehen über Shenjas Uni. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Zusammenfassend kann ich über meine Uni sagen: Ich habe viel gelernt. Nicht, dass ich jetzt wirklich Russisch kann, aber Tee bestellen und überhaupt: Sachen kaufen geht schon ganz gut. Nach dem Weg fragen geht auch, aber die Antwort verstehe ich meistens nicht sofort. Zum Glück muss ich eigentlich nie nach dem Weg fragen. Wenn man ehrlich ist, dann habe ich hier fast nichts Neues gelernt. Die Regeln habe ich alle schon mal in Köln beigebracht bekommen. Aber hier habe ich sie auch benutzt. Also bei einigen Regeln könnt ich aus “wissen” “können” machen. Das war auch genau das, was ich wollte. Und natürlich habe ich einen ganzen Sack voll neuer Wörter gelernt.
Gestern war ich zum ersten mal auf einer russischen Beerdigung. So weit ich das beurteilen kann ist es nicht viel anders als auf einer kirchlichen Bestattung. Was mich aber überrascht hat war die Tatsache, das eine ganze Reihe von Toten in einem “Besichtigungszimmer” aufgebahrt lagen. Ich war auf den Anblick von 10 Toten nicht gefasst und in den ersten Sekunden etwas geschockt. Aber das lag sich schnell wieder. Für die Trauerzeremonie wurden dann 4 Leichen in einen Raum daneben gebracht. Dann Kamen die Angehörigen von allen vieren dazu und ein Priester machte seinen Gottesdienst. (Oder wie nennt man das bei einer Beerdigung?) Ich hatte den Eindruck, dass nur für zwei der vier Toten Menschen gekommen sind. Danach wurden die Toten in Kleinbusse getragen. Die Trauergemeinschaft fuhr mit im selben Wagen zum Friedhof. Der ist wirklich gross. St. Petersburg ist eben auch eine grosse Stadt, und wenn ich es richtig verstanden habe, dann gibt es nur zwei Friedhöfe in der Stadt. Nach der Beerdigung sind alle mit dem Kleinbus zu der Wohnung der Familie gefahren. Und dann gab es dann das russische Essen, vor dem man immer gewarnt wird: Am Anfang hatte ich richtig Hunger und machte den Fehler, und nahm mir richtig viel. Klar, ich hatte ja Hunger uns es war genug da. Aber es folgten drei (3!!) weitere Runden essen. Und natürlich muss ich alles probieren. Dass führt dann mit der Zeit wirklich dazu, dass man nur noch symbolische Mengen nimmt. Aber lecker war´s!
Fotos oder so habe ich im Moment leider keine neuen. Allerdings ist die ganze Stadt jetzt geschmückt. Ich werde bald mal Fotos machen. Und eigentlich sollte ich auch ein Video machen. Ich weiss nur nicht, womit ich´s schneiden kann. Bevor einen Vorschläge macht: Ich hab KEIN iMovie auf m Rechner. Noch zum Wetter: Zwischenzeitlich war´s doofes Wetter. Jetzt ist es wieder angenehme -5 Grad und schöner neuer Schnee. Aber das wird leider nicht mehr so lange so bleiben…
Friday, November 28, 2008
Man sagt ja viel über Russland. Die gefährliche Mafia, Verbrecher, Betrunkene. Aber von all dem konnte ich nichts bemerken. Aber ein paar Vorurteile werden schon bestätigt. Heute:
Energie!
Outdoor-Fussbodenheizung

Hier kann man ganz gut sehen, wo die Rohre für die Heizung im Boden liegen…
Service-Freundlich

Dieser nette Sicherungskasten hängt auf Augenhöhe im nächsten Tante-Emma-Laden, direkt im Eingangsbereich zwischen Tür und Kasse.
Sunday, November 23, 2008
Friday, November 21, 2008
Also, es ist viel passiert in der letzten Zeit. Von Sonntag bis Mittwoch waren wir in Helsinki. Von dort gibt es nicht so viel zu erzählen. Die meiste Zeit haben wir mit einkaufen verbracht. Am ersten Abend haben wir einen “Feuer-Zirkus” besucht. Die Vorführung war kostenlos und leider nicht wirklich gut gemacht. Das Potential war wirklich vorhanden, aber es war ein super Beispiel dafür, dass man bei solchen Sachen einfach einen Chef braucht und dass nicht jeder machen kann, was er will. Aber die Fotos sind gut geworden. Ich werde sie nachreichen. Auf dem Rückweg kam uns die Zeitverschiebung entgegen: Weil mein Visum nur 90 Tage lang gilt, musste ich für 2 Tage das Land verlassen. (Sonst wären zwischen der ersten Einreise und der letzten Ausreise 92 Tage in Russland.) Shenja dürfte aber nur 3 Tage in Finnland sein. Auf den ersten Blick gibt es kein Problem. Aber es ist eins:
Sie ist am 16. ausgereist und kann also bis zum 18. in Finnland bleiben; 3 Tage in Finnland. Aber wenn ich genau so lange in Finnland gewesen wäre, dann wäre ich nur einen Tag ausserhalb von Russland gewesen. Am 16. am Morgen und am 18. am Abend wäre ich ja noch in Russland gewesen. Aber wir sind am späten Abend das 18. ausgereist. Die finnische Grenze haben wir um 18. um 23:10 überquert und an der russischen Grenze war es schon 0:10 am 19.. Also war ich am 17. und am 18. nicht in Russland. Tja: Das sind sie also, die Abenteuer an der Grenze. Das ist es, das geheimnisvolle Russland… In Wirklichkeit ist es überall das selbe: Bürokratie.
Dann gab es Schnee. Das erste mal für mich in diesem Jahr. Und es ist echter Schnee. Die Leute aus Köln kennen das nur aus dem Urlaub oder von Fotos. Ich meine: Es war nicht so wie in Köln: Erst Schnee und zwei Stunden später nur noch Matsch. Nein: Hier ist es echter Schnee. Weiss und trocken. Und jetzt schneit es schon wieder.
Was auch zum ersten mal war, ist der Unterricht. Als ich hier hin gefahren bin, dachte ich noch, dass ich 3 Monate lang Unterricht haben werde. Aber in den ersten 3 Wochen hatte ich erst mal andere Sachen zu tun und jetzt hat er angefangen. Bezahlt habe ich 4 Wochen. Aber wenn ich will, kann ich auch noch verlängern. Mal gucken, wie sehr mich mein “deutsches Pflichtbewusstsein” antreibt. Das scheint bei mir wirklich nicht nur ein Vorurteil zu sein. Auf jeden Fall war ich heute pünktlich um 9:30 vor dem Unterrichtsraum und blieb dort noch 10 Minuten alleine. Selbst die Lehrerin kam nicht pünktlich. Nicht, dass mich das aufregt. Es zeigt mir nur einfach, dass vielleicht doch etwas an dem Klischee vom pünktlichen Deutschen dran ist. Was im Unterricht wirklich schwer für mich ist, ist die Schrift. Ich kann nur die normale Druckschrift, die man auch im Internet, der Zeitung und in der Werbung benutzt. Also in 98% aller Fälle. Aber die Lehrerin schreibt Schreibschrift und in den Büchern gibt es auch noch eine Art Schmuckschrift, in der besonders wichtige Worte geschrieben sind. Dass bedeutet für mich: Genau die wichtigen Wörter kann ich nur schwer lesen.
Es gibt noch was tolles hier: Internet. Und zwar russisches Internet. In Deutschland lade ich keine Musik aus dem Netzt, weil GVU und so weiter. Aber hier… Musik so viel die DSL-Leitung hergibt. Wenn einer was braucht…
